November    von Heinrich Seidel

 

Solchen Monat muss man loben: 

Keiner kann wie dieser toben, 

Keiner so verdrießlich sein 

Und so ohne Sonnenschein! 

Keiner so in Wolken maulen 

Keiner so mit Sturmwind graulen!

Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist `ne wahre Pracht.

 

Seht das schöne Schlackerwetter! 

Und die armen welken Blätter, 

Wie sie tanzen in dem Wind 

Und so ganz verloren sind! 

Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt 

Und sie durcheinander wirbelt

Und sie hetzt ohne Unterlass: 

Ja, das ist Novemberspaß.

 

Und die Scheiben, wie sie rinnen! 

Und die Wolken, wie sie spinnen 

Ihren feuchten Himmelstau 

Ur und ewig, trüb und grau! 

Auf dem Dach die Regentropfen: 

Wie sie pochen, wie sie klopfen! 

Schimmernd hängts an jedem Zweig, 

Einer dicken Träne gleich.

 

Oh, wie ist der Mann zu loben, 

Der solch unvernünftiges Toben 

Schon im Voraus hat bedacht 

Und die Häuser hohl gemacht: 

Sodass wir im Trocknen hausen: 

Und mit stillvergnügtem Grausen 

Und in wohlgeborgner Ruh 

Solchem Greuel schauen zu. 


Mattes, Schülerredaktion

 


Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 16. November 2016 13:39
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